Winterharte Gartenfuchsien

Liebe Pamina, hallo Papageno! So beginnt Sarastro alias Christian H. Kreß von der Sarastro-Staudengärtnerei jeweils seine monatlichen Rundbriefe. Diese Rundbriefe sind jeder Staudenfreundin, jedem Staudenfreund sehr zur Lektüre empfohlen, da schreibt ein leidenschaftlicher Staudengärtner in kompetenter und gut lesbarer Art über seine Leidenschaft – eben Stauden! Ich freue mich jeden Monat auf diesen Mail-Rundbrief. Leider liegt die Gärtnerei für uns nicht gerade um die Ecke, sie ist in Ort im Innkreis, Österreich angesiedelt. Ein Besuch bei Sarastro-Stauden war auch in der diesjährigen Vereinsreise eingeplant, leider musste diese wegen Covid-19 abgesagt werden. Im Juli war ein Teil des Rundbriefes den winterharten Fuchsien gewidmet. Mit dem Einverständnis von Herrn Kreß darf dieser Text auch hier publiziert werden.

Hans Eggenberger

Auszug aus dem Sarastro-Rundbrief Juli 2020

Liebe Pamina, hallo Papageno!

[…] Du möchtest von mir sicher auch wieder einiges über irgendwelche Stauden hören. Und da fiel mir ein, dass ich dir noch nie auch nur irgendetwas über winterharte Fuchsien geschrieben habe. Dabei sind diese in anderen Ländern durchaus beliebt und sehr verbreitet. Und seien wir doch mal ganz ehrlich: kennst du irgendeine Staude (oder auch Gehölz), das praktisch von Juni über den ganzen Sommer hindurch bis zum Eintritt von Dauerfrost blüht? Da gibt es tatsächlich nur ganz Weniges! Die meisten der winterharten Auslesen und Sorten stammen von Fuchsia magellanica ab, einer Art aus Feuerland, Patagonien und weiteren südlichsten Gegenden von Südamerika. Dort wird sie sehr hoch, über zwei Meter, was sie bei uns niemals erreicht. Auch im maritimen Schottland und Irland, wo sie teilweise sogar großflächig verwildert ist, wird sie wesentlich höher als bei uns. Bei uns ist jedoch nicht die Winterhärte das Problem, sondern der viel zu heiße Sommer mit seinen Ostwinden. Trotzdem brauchen wir auf diese Schönheiten nicht verzichten, wenn wir diese wunderschönen Pflanzen im Garten richtig pflanzen und in Szene setzen.

Hier Fuchsia magellanica ‘Gracilis‘ in voller Pracht!

Ich habe mich bemüht, im Laufe der letzten Jahre etwas mehr als ein Dutzend an Sorten ins Sortiment aufzunehmen und diese weiter zu vermehren, bei denen ich sicher bin, dass diese auch deinem Garten guttun. Wenn du vorhast, Fuchsien in deinen Garten zu pflanzen, dann gilt es eigentlich nur, ein paar Grundregeln zu beachten. Erstens sollten wir sämtliche winterharte Fuchsien in unserer Gedankenwelt nicht als Sträucher behandeln, sondern als Stauden, denn sie frieren in unserem mitteleuropäischen Klima immer sehr stark zurück und treiben aus der verholzenden Basis im darauffolgenden Jahr wieder aus, zumindest in normalen Wintern. Mindestens so wichtig ist der richtige Standort in deinem Garten, ein möglichst kühles Kleinklima. Im letzten Jahr sah ich herrliche und imposante Gruppen von Fuchsia magellanica var. alba im Botanischen Garten Reykjavik in Island. Der Golfstrom mit seiner feuchten Meeresbrise macht es möglich! Dies bedeutet für deinen Garten Teichnähe im Halbschatten oder in der vollen Sonne, wenn der Boden genügend Feuchtigkeit speichert. Aus meiner Lehrzeit kann ich mich erinnern, dass wir stets staubfeinen, organischen Dünger der gut aufgelockerten Pflanzerde im Garten beigemengt hatten, und dies nicht nur bei Fuchsien! Welches „Fabrikat“ bleibt dir überlassen, du kannst natürlich auch ausgereiften Kompost verwenden. Allgemein sollte bei Fuchsien an Dünger nicht gespart werden, aber bitte übertreibe es auch nicht!
Alle Gartenfuchsien solltest du jedoch unbedingt tief genug pflanzen! Fasse dir ein Herz und pflanze deine Fuchsien-Neuerwerbungen eine Handbreit tiefer als die Basis des Topfes, ähnlich wie bei den Strauchpfingstrosen, nur dass diese noch dazu schräg gepflanzt werden. Dies bewirkt, dass eine ausreichende Menge Basistriebe entstehen und du mit der Zeit buschige und ansehnliche Exemplare bekommst. Bei deinem sommerlichen Gang durch deinen Garten darfst du gerne die Triebspitzen ausknipsen, damit deine Fuchsien nicht so gakelig werden, dies gilt vor allem für die Abkömmlinge von F. magellanica.

Hier Fuchsia magellanica var. molinae, besser bekannt unter ‘Alba‘

Fuchsia magellanica ‘Arauco‘ ist in meinen Augen farblich die exquisiteste aller winterharten Fuchsien. Leider ist sie momentan nur in geringen Stückzahlen vorhanden. Wir sind aber dabei, dies zu ändern! Manches Mal liest man sie unter dem Namen Fuchsia magellanica var. arauco. Egal!

Über den Winterschutz und den Rückschnitt gibt es verschiedene Auffassungen. Ohne mich jetzt im Detail zu verlieren, plädiere ich für einen leichten Rückschnitt im Spätherbst, noch bevor Dauerfrost ins Land zieht. Dies bewirkt eine Kräftigung der Pflanzen. Dann kehrst du etwas Laub von deinen Bäumen an die Basis deiner Fuchsien und legst ein paar Fichtenzweige darüber, dass das Laub beim nächsten Sturm nicht wegfliegt. Durch den Klimawandel kann in wintermilden Gebieten auf den Winterschutz weitestgehend verzichtet werden.

Außer Fuchsia magellanica und deren Abkömmlinge entstanden jede Menge Hybriden, die du auf Winterhärte testen kannst, solltest du ihrer habhaft werden. Mein Liebling ist ‘Madame Cornelissen‘ mit ihren auffällig rot-weißen Blüten und den dunkelgrünen Laubblättern.

Reizend ist auch die zwergige, reich blühende ‘Tom Thumb‘.

Falls du dich zu den Liebhabern panaschierter Pflanzen zählst, existieren auch bei den Fuchsien einige Sorten, welche leuchtend gelbe oder weißgerandete Blätter haben. Auch solche blühen überreich! In wintermilden Gegenden sind viele weitere Sorten als winterhart zu bezeichnen, die wir in der Vergangenheit eigentlich für Balkonkisten benützten oder sie auf Beete als Sommerflor auspflanzten. Wichtig ist eben nur, dass wir Fuchsien in unserer Vorstellungskraft nicht als Sträucher betrachten, sondern als winterharte Stauden!

Und zum Schluss will ich dir noch eine Besonderheit aus Neuseeland vorstellen, sozusagen den Clown unter den Fuchsien, denn wenn du dir die Blüten von Fuchsia procumbens betrachtest, hältst du es nicht für möglich, dass dies eine Fuchsie sein soll! Diese Art ist bedingt winterhart, ich rate dir, ihre Polster über den Winter gut abzudecken oder eine Sicherungskopie in einem Topf kühl und hell zu überwintern. Ganz ungewöhnlich sind auch ihre dicken rötlichvioletten Beeren, die im Herbst auf den Polstern sitzen. Falls du größere Kübelpflanzen besitzt, kannst du diese Matten bildende Art auch quasi als Unterpflanzung benutzen. Sie erinnert eher an das nordische Linnaea borealis!

Die zarten, aufrechten Blüten von Fuchsia procumbens erinnern an alles Mögliche, nur nicht an eine Fuchsie!

 

Quelle:

Sarastro-Rundbrief Juli 2020

Sarastro-Stauden
Christian H. Kreß
Ort 131
4974 Ort im Innkreis
Austria/Autriche

office@sarastro-stauden.com
www.sarastro-stauden.com

Winterharte Fuchsien / Sarastro-Rundbrief

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